Am Mittwoch habe ich an der Gedenkstunde anlässlich des Gedenktages zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutscher Bundestag teilgenommen. Sie erinnerte an die Opfer des Holocaust und an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz.
Die Zeit des Nationalsozialismus ist das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit erwachsen – Werte, die unser Land bis heute tragen und die täglich verteidigt werden müssen. Gerade deshalb ist das Erinnern kein Blick zurück aus Routine, sondern ein zentraler Bestandteil unserer politischen und gesellschaftlichen Verantwortung.
„Nie wieder“ ist richtig. Doch 81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen der Schoa gibt, reicht es nicht aus, diesen Satz nur zu wiederholen. Erinnerung darf nicht zur Floskel werden. Sie muss mit Haltung, Klarheit und Konsequenz verbunden sein. Wir müssen benennen, was ist: Antisemitismus in Deutschland ist keine Geschichte von gestern. Er ist heute präsent – in altem wie in neuem Gewand. Rechtsextreme rütteln am Gründungsnarrativ unserer Republik, wenn sie den Nationalsozialismus verharmlosen oder von sogenannten „erinnerungspolitischen Wenden“ sprechen. Islamisten und Linksextreme tragen ihren Hass auf jüdisches Leben offen auf unsere Straßen.
Die Gedenkstunde hat eindrücklich gezeigt, dass Erinnerung und Verantwortung untrennbar zusammengehören. Der Schutz jüdischen Lebens, der Einsatz gegen jede Form von Antisemitismus und das klare Eintreten für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung sind kein Selbstverständnis – sie sind eine dauerhafte Aufgabe. Gerade als Abgeordnete tragen wir dafür eine besondere Verantwortung. Erinnerung verpflichtet. Heute und in Zukunft.